Dok.Film & Kreatives Schreibforum

Geschichten und ein Film von Kindern und Jugendlichen

Wenn so viele unterschiedliche Nationalitäten aufeinandertreffen, ist die Entwicklung eines „Wir-Gefühls“ oft nicht einfach. Das Wort „Migrationshintergrund“ ist viel zu oft mit negativen Vorurteilen behaftet. Ausgrenzung, Unkenntnis der deutschen Sprache, Fluchterfahrungen und fehlende Chancengleichheit – all diese Schlagworte stehen im Raum, sobald von „Migrationshintergrund“ die Rede ist.

Zu Beginn des Projektes „Heimat – Wo sind meine Wurzeln?“ malen die Projektteilnehmer*innen ein Plakat mit der Nationalfahne des Landes, aus dem sie oder ihre Eltern kommen. Dazu beschreiben die Schüler*innen, wie es dort riecht, was das beste Essen ist und wie es dort aussieht. Anschließend werden die Plakate vor der Projektgruppe präsentiert. Im nächsten Schritt werden gemeinsam Fragen erarbeitet und weiterführende Informationen im Internet recherchiert. Was wäre noch wissenswert über das Land, in dem unsere Wurzeln liegen? Im Laufe des Projektes lernen die Kinder und Jugendliche, wie sie Informationen recherchieren und diese im Rahmen eines Projektberichtes und einer Präsentation aufbereiten.
Der Austausch über Frieden, Heimat und Krieg schweißt die Gruppen zusammen und es entsteht ein besonderes Gemeinschaftsgefühl zwischen den Projektteilnehmer*innen. Auch wenn die Herkunftsländer oft unterschiedlich sind, sind die Geschichten und Erfahrungen meist ähnlicher als gedacht. Und was am Ende alle eint, ist die Tatsache, dass sie gemeinsam in Deutschland leben. Die Kinder und Jugendlichen sehen die Gesellschaft mit ihren Augen und versuchen sie zu verstehen, was ihnen oftmals nicht gelingt. Auch das kommt in den Projekten zum Ausdruck. Doch auch dieser Prozess ist Teil des Projektes mit dem Ziel, sich mit demokratischen Werten und den inneren und äußeren Werten unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen. Das Kennenlernen anderer Nationen und das Verstehen politischer Zusammenhänge und die Tatsache, dass alle gemeinsam in einem Land verortet sind, führt die Projektteilnehmer*innen zusehends zusammen und führt zu mehr Akzeptanz anderer Kulturkreise.

Ein Textbeispiel:

Friedensgeschichte
Es waren einmal zwei Nationen. Feuer und Wasser. Die Feuernation will Krieg und die Wassernation auch. Eines Tages kam ein Junge. Er redet mit den Königen beider Nationen. Aber beide Könige wollen sich gegenseitig töten. „Wieso wollt ihr beide Krieg, wenn ihr euch vereinen könnt?“, fragt der Junge. Aber was er sagte, interessierte niemanden. Als der Junge die Könige verlassen hat, haben beide Könige über die Worte des Jungen nachgedacht und eine Woche späterhaben sie sich beide Nationen vereint. Daran sieht man was ein Mensch allesverändern kann.

Im Projekt Dok.Film & Kreatives Schreibforum ist ein Film entstanden über Grenzerfahrungen und Ängste. Acht Jugendliche begeben sich auf eine Wanderung: Mit verbundenen Augen wurden sie im Wald südlich des Starnberger Sees ausgesetzt. Ohne Handys, aber mit Kompass, Landkarte, Isomatten und Rucksäcken ausgestattet, hatten sie vier Tage Zeit, nach München zurückzufinden. Der Dokumentarfilm über diese Wanderung vermischt sich mit einer fiktiven Geschichte, die sich die Jungen für ihre Wanderung überlegt hatten. Ein Projekt in Kooperation mit der IG-Feuerwache und dem Stadtjugendamt der Landeshauptstadt München.
Viel Spaß beim Film „Lauf, so weit du kannst“.

In der Abschlussmappe sind die gesammelten Texte der Schüler*innen zu lesen, die in einem Jahr „Dok.Film & Kreatives Schreibforum“ entstanden sind. Zu Beginn unserer Arbeit sprachen die Schüler*innen noch nahezu kein Deutsch.

"Das war das zweitschönste Erlebnis, das ich je hatte."

Murat, 14 Jahre, Über die Filmwanderung.